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Camunda Modeler: was das Werkzeug kann, und was es nicht für Sie entscheidet

Charalampos Moutafidis
Veröffentlicht am
Stand:
7 Min. Lesezeit
Tags:Camunda ModelerBPMNCamunda 7Werkzeuge

Der Camunda Desktop Modeler ist eine Anwendung für Ihren Rechner, mit der Sie BPMN-Diagramme, DMN-Entscheidungstabellen und Formulare zeichnen. Camunda beschreibt sie so: „Desktop Modeler is a desktop application for modeling BPMN, DMN, and Forms.“ Sie ist quelloffen unter der MIT-Lizenz, und dieselbe Anwendung bedient Camunda 7 und Camunda 8.

Der Satz, der die meisten Missverständnisse auflöst: Das Werkzeug ist für beide Camunda-Generationen dasselbe, die Modelle sind es nicht. Was Sie im Modeler zeichnen, ist erst dann für eine bestimmte Engine brauchbar, wenn die technischen Angaben daran hängen. Genau die unterscheiden sich zwischen 7 und 8.

Kurz beantwortet

Was ist der Camunda Modeler?
Eine Desktop-Anwendung zum Modellieren von BPMN, DMN und Formularen. Camunda nennt sie Teil des eigenen Implementierungswerkzeugkastens und stellt sie für Windows, Linux und macOS bereit.
Ist der Camunda Modeler kostenlos?
Der Desktop Modeler steht auf GitHub unter der MIT-Lizenz. Der Web Modeler ist ein anderes Produkt: Sein Quelltext steht laut Camunda unter einer proprietären Lizenz und ist nur Nutzern und Kunden auf Anfrage zugänglich.
Funktioniert er mit Camunda 7 und Camunda 8?
Ja. Camunda listet als Funktion ausdrücklich: „Implement process applications for Camunda 7 and 8“. Die Anwendung ist gemeinsam, die Modelle sind es nicht.
Kann ich damit direkt deployen?
Ja. Camunda listet „Deploy and run processes directly from the application“ als Funktion. Für einen produktiven Bestand ist das trotzdem selten der Weg, den man dauerhaft benutzen will.
Was ist der Unterschied zum Web Modeler?
Der Desktop Modeler arbeitet gegen Ihr lokales Dateisystem, was ihn zum natürlichen Werkzeug macht, wenn die Modelle im selben Git-Repository liegen wie der Code. Der Web Modeler ist die kollaborative Variante und lizenzrechtlich anders gestellt.

Was der Desktop Modeler laut Camunda kann

Die Funktionsliste steht unverändert in der Dokumentation (docs.camunda.io, Desktop Modeler):

  • „Design BPMN, DMN, and Forms“
  • „Implement process applications for Camunda 7 and 8“
  • „Deploy and run processes directly from the application“
  • „Validate your diagrams using configurable lint rules“
  • „Customize and extend the application“
  • „Work against the local file system“

Zwei Punkte dieser Liste sind in der Praxis mehr wert als die anderen vier. Die konfigurierbaren Lint-Regeln sind der einzige Mechanismus, mit dem Sie Modellierungsfehler vor der Ausführung abfangen, statt sie im Betrieb zu entdecken. Und die Arbeit gegen das lokale Dateisystem heißt, dass Ihre .bpmn-Dateien im selben Repository liegen können wie Ihr Code, mit derselben Historie und demselben Review.

Der zweite Punkt ist der Grund, warum wir in Projekten fast immer den Desktop Modeler benutzen. Ein Prozessmodell ist Quelltext. Es gehört in dieselbe Versionsverwaltung wie alles andere, das in Produktion läuft.

Lizenz: der Desktop Modeler und der Web Modeler sind nicht gleich gestellt

Das Repository camunda/camunda-modeler trägt die MIT-Lizenz, ist nicht archiviert und wurde zuletzt am 1. September 2026 bewegt. Das haben wir an diesem Tag über die GitHub-API geprüft. Der Desktop Modeler ist damit das eine Camunda-Werkzeug, an dessen Verfügbarkeit keine Lizenzfrage hängt.

Für den Web Modeler gilt das nicht. Camunda schreibt in der eigenen Lizenzübersicht, der Quelltext von Web Modeler und Console stehe unter einer proprietären Lizenz und sei „only available to users or customers on demand“ (docs.camunda.io, Licensing). Wer die beiden in einer Beschaffungsunterlage als ein Produkt führt, führt zwei verschiedene Rechtslagen unter einem Namen.

Was der Modeler nicht für Sie entscheidet

Das Werkzeug ist gut, und es ist trotzdem nicht die Stelle, an der die teuren Fragen beantwortet werden. Drei davon, in der Reihenfolge, in der sie in Projekten auftauchen.

Drei Fragen, die der Modeler sichtbar macht, aber nicht beantwortet.
Die FrageWas der Modeler dazu tutWo sie tatsächlich entschieden wird
Läuft dieses Modell auf meiner Engine?Er kennt beide Zielgenerationen und stellt die passenden Eigenschaften bereitAn den technischen Angaben am Modell, die zwischen Camunda 7 und 8 verschieden sind
Ist dieses Modell fachlich richtig?Lint-Regeln prüfen die Form, nicht die AbsichtIn der Abnahme mit den Menschen, die den Prozess verantworten
Was kostet der Wechsel auf Camunda 8?Nichts. Die Frage hängt fast nie an den ModellenIn Ihrem Java-Code; Camunda benennt die Blocker in der eigenen Migrationsanleitung
Drei Fragen, die der Modeler sichtbar macht, aber nicht beantwortet.

Die dritte Zeile ist die, an der die meisten Schätzungen kippen. Wer den Aufwand einer Migration an der Anzahl der Diagramme misst, misst die billigste Hälfte. Warum das so ist, steht in Camunda 7 vs. Camunda 8.

Modelle sind die sichtbare Hälfte. Wir lesen die andere

Wir schauen uns Ihren Camunda-7-Bestand an und sagen Ihnen, welches Ziel dazu passt und warum die anderen ausscheiden.

Zur Camunda-7-Migration

Wenn Sie beim Begriff BPMN noch nicht sicher sind, was der Standard festlegt und was nicht: Was ist BPMN? klärt genau das.

Quellen

  1. Camunda 8, Desktop Modeler (Funktionsliste, Plattformen) (abgerufen 1. September 2026): https://docs.camunda.io/docs/components/modeler/desktop-modeler/
  2. Camunda 8, Licensing (Web Modeler und Console) (abgerufen 1. September 2026): https://docs.camunda.io/docs/reference/licenses/
  3. GitHub, camunda/camunda-modeler (MIT-Lizenz, aktiv) (geprüft 1. September 2026): https://github.com/camunda/camunda-modeler
  4. Camunda 7, Modeler-Dokumentation (abgerufen 1. September 2026): https://docs.camunda.org/manual/7.24/modeler/